IVW Q4/2015

Die Talfahrt hält an: Auch im vierten Quartal 2015 gaben die Print-Auflagen in Deutschland auf breiter Front nach. In einigen Segmenten sind die Verluste inzwischen dramatisch. Guido Friebel, Director Print ZenithOptimedia analysiert für "New Business" die Segmente.

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Computermagazine oder Kinderzeitschriften etwa verlieren erneut mehr als jeden zehnten Käufer – hier scheint eine Marktbereinigung beinahe unvermeidlich zu sein. Auch die Programmies haben binnen Jahresfrist insgesamt mehr als 800.000 verkaufte Exemplare verloren. Selbst traditionsreiche Titel wie „Hörzu“ (minus 6,1 Prozent) bleiben schwer wie Blei in den Regalen liegen.

Wider den Auflagenschwund

Um der Krise am Kiosk und dem Abonnentenschwund Herr zu werden, haben die Verleger einige Anstrengungen unternommen. Die Umstellung auf neue Erscheinungstage hat dabei jedoch keinen nachhaltigen Erfolg gebracht: Sowohl „Der Spiegel“, der im aktuellen IVW-Bericht unter die 800.000er-Auflagenmarke rutschte, als auch „Focus“ (minus 1,4 Prozent) konnten bislang kaum Kapital aus dem Samstagsverkauf schlagen. Immerhin: Die neue vierzehntägliche Erscheinungsweise zeigt bei „Bravo“ (plus 13,5 Prozent) und „Bravo Girl“ (plus 35,2 Prozent) positive Wirkung.

Essen und Wohnen zeigen Prints Stärken als Zielgruppenmedium

Im Trend liegen auch Titel im Food- und Healthsegment: Die Esszeitschriften „Eat smarter“ (plus 15 Prozent) und „Lecker“ (plus 1,6 Prozent) oder das Gesundheitsmagazin „Good Health“ mit einer Newcomer-Auflage von knapp 65.000 Exemplaren zeigen das Potential für Print als Zielgruppen-Medium. Ein echter Lichtblick im Weihnachtsquartal war erneut „Landlust“, die sich mittlerweile klar als Auflagenmillionär positioniert. Im Unterschied zu vielen anderen Printtiteln verzichtet das Wohnmagazin aus Münster obendrein auf Auflagenkosmetik. Bordexemplare, Lesezirkel und sonstige Verkäufe sollten auch bei anderen Verlagen nicht dazu dienen, die Erosion im Vertrieb zu verschleiern. Daher sehen wir die Zunahme der sonstigen digitalen Verkäufe kritisch: Auch E-Paper sollten sich an einer harten IVW-Auflage messen.

E-Paper im Kommen

Denn mittlerweile entwickeln sich die elektronischen Print-Versionen zu echten Hoffnungsschimmern für die Verlage: Das „Handelsblatt“ beispielsweise hat den Verkauf der E-Paper von Oktober bis Ende Dezember auf über 30.000 Exemplare fast verdoppelt. Knapp 25.000 Exemplare davon spülen als bezahltes Abo echte Vertriebserlöse in die Kassen. Auch die überregionalen Zeitungen wie „SZ“ oder „FAZ“ oder die wöchentliche „Zeit“ erzielen erkennbare Fortschritte in der digitalen Transformation ihres Geschäftsmodells. Die Voraussetzungen hierfür sind besser denn je. Im digitalen Gesamtangebot erzielen die Online-Angebote der Zeitungen mit über 50 Prozent die höchste Reichweite. Aktuelle, journalistisch aufbereitete Nachrichten bleiben also weiterhin relevant, sie werden aber anders konsumiert.

Diese Analyse erschien erstmals am 25. Januar 2016 als Fachbeitrag von Guido Friebel in "New Business" (Seite 34-36).